Gemeinde - Ortsteile - Roitzschjora


  • Stand 2017 - 254 Einwohner

  • Ersterwähnung:

    xx.xx.xxxx als xxxx (xxxx Form)


    Namensgebung:

    der Ortsname “Roitzschjora” kommt in Sachsen nur ein Mal vor.

    1466

    Roytzsch (wüste Mark)

    1599

    Roitzsch und Jora (große Sorge und kleine Sorge)

    1750

    Roitzsch und Jora

    1791

    Roitzsch oder Sorge

    1792,1884

    Röitzsch

    1817

    Jora, auch Kleine Sorge

    1822

    Roitzsch

    1892

    Roitzschjora

    aus dem “Leben zwischen Kabine, Bockshain und Weinberg”

    Wegen der spät einsetzenden urkundlichen Überlieferung ist die Grundform unsicher, zumal es sich ursprünglich um zwei Orte handelte.

    1. Roitzsch liegt wahrscheinlich dem slaw. PN “Rogac” zu “rog” – Horn, Landzunge zugrunde also “Siedlund eines Rogac”. Der Ort war zeitweilig wüst und wurde wohl deshalb auch Große Sorge (1822) genannt.
    2. Ganz in der Nähe entstand viel später eine Ausbausiedlung, die Kleine Sorge. Sie ist identisch mit Jora. denkbar ist ”Goor” zum germ. Gora – Morast od. oben, höher gelegen, Berg. Daraus ergäbe sich “Siedlung auf Sumpfland”
    3. (Quelle: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen E. Eichler und H. Walther)

    Im Volksmund ist überliefet, dass durch das Hochwasser der Mulde oft Ackerland überschwemmt wurde und die Bewohner des Ortes bei Hochwasser Große Sorgen hatten.

    So ist die Bezeichnung Sorge für die Orte Roitzsch und Jora sicher auch denkbar.


    Geschichte:

    4000-2000 v.u.Z.

    Feuersteinbeile

    1700 – 700 v.u.Z.

    erste Besiedlungen im Gebiet unseres Ortes (durch Funde und Grabbeilagen belegt)

    200 - 1700 v.u.Z.

    Eisen- und Bronzefund

    1200 - 1000 v.u.Z.

    Topf

    1000 - 800 v.u.Z.

    Lausitzer Kulturperiode

    400 - 200

    v.u.Z.

    Frühlatene Zeit (nach Latene, einem Fundort in der Schweiz, benannter jüngerer Abschnitt der Eiszeit) ebenfalls mit Grabfunden

    700 bis in unsere Zeitrechnung

    Latene Zeit Schmuck- und Waffenfunde

    10. Jh.

    es beginnt nach der Völkerwanderung die erneute Besiedlung in unserem Gebiet

    1349/50

    Rodeschwicz

    1466

    Roitzsch wird in einem Schriftstück als “wüste Marken” bezeichnet und gleichzeitig wird der Wald bei Roitzsch erwähnt; zur Löbnitzer Kirchengemeinde gehörten die Einwohner von Roitzsch und Jora (12. Jahrhundert - Erwähnung einer Backsteinbasilika in Löbnitz)

    Ende des 15. Jh. bis Anfang des 16. Jh.

    von den Einwohnern in Roitsch und Jora gesprochen, damals bereits als kleine und große Sorge benannt

    1560

    es wird erwähnt, dass von 13 gestorbenen Personen aus Löbnitz, Roitsch und Jora 12 Kinder unter 10 Jahren sind

    1595

    ein großer Brand auf der vorderen Sorge zerstört zehn Bauernhöfe und damit fast das ganze Dorf (drei Wittenberger; 1 Brandstifter überlebte die Folter nicht und wurde unter dem Löbnitzer Galgen verscharrt, 2 wurden am 27. Februar 1596 verbrannt) die Löbnitzer hatten eine eigene Gerichtsbarkeit

    1599

    stirbt Hans von Schönfeldt und das Erbe wird unter sieben Söhnen aufgeteilt, Sohn Hans erhält den Löbnitzer Hofteil mit Jora und Sohn Chrstoph erhält den Löbnitzer Schloßteil und Roitzsch

    ab dem 16. Jh.

    gab es eine Ziegelscheune auf der Sorge, welche Steine für den eigenen Bedarf herstellt (aber sicherlich auch für den Verkauf)

    1632

    verheerende Pestperiode von Mai bis Dezember; in Löbnitz, Roitzsch und Jora starben 285 Menschen, das sind ¼ aller Einwohner

    1637

    schreibt Hans von Schönfeldt: “elf Halbhüfner von der Sorge von denen acht ausspannen könnten” (Hüfner ehemaliges Durchschnittsmaß für bäuerlichen Grundbesitz)

    1637 – 1642

    die große Sorge wird vom kaiserlichen Regiment gänzlich zerstört

    1642

    lagen beide Sorgen gänzlich wüst

    1661

    noch steht geschrieben: “unbewohnt, die Felder unbebaut, sogar mit dichtem Gehölz ist alles bewachsen”

    1706

    es werden alle Einwohner von Roitzsch im Steuerregister als Neuanbauer bezeichnet (8 Einwohner - Familien mussten keine Steuern zahlen, da sie noch keine sechs Jahre hier ansässig waren)

    1750

    Haushalte in Roitzsch 31 und Haushalte in Jora 18

    1770

    gab es in Roitzsch zwölf Bauern mit je einer Drittelhufe (ca.. 2,7 ha) neunzehn Einwohner werden als Häusler bezeichnet, nur sechs von ihnen besaßen ein Stück schlechtes Feld

    1822

    Postortverzeichnis erwähnt Roitzsch und Große Sorge

    1830

    gibt es 72 Haushalte Roitzsch und Jora, davon waren 49 Landlose oder unter 2 ha Feld

    1836

    erstmals für Roitzsch und Jora ein gemeinsamer Gemeinderat

    1843

    Bockwindmühle in Roitzschjora erhält ihren heutigen Standort

    1846

    die Ernte war so schlecht, dass im Mai 1847 die Gemeinde Getreide kaufen musste um die Einwohner zu versorgen; Abtrennung der Schule von Roitzsch von Löbnitz

    1855

    musste ärmeren Gemeindemitgliedern von Roitzsch eine Ablösung gewährt werden

    1865

    4 Silbergroschen Schulgeld monatlich für jedes Kind

    1867

    49 Haushalte (von 72) mit unter 2 ha Landwirtschaftliche Fläche

    1875

    Ausstattung einer Schulstube in Roitzschjora ein Bericht sagt folgendes: “ Ferner hat die Schule keine Schulbänke, sondern nur 2 Tische mit je freistehenden Bänken ohne Lehne, auf welchen die Schüler so dicht gedrängt sitzen, dass gleichzeitig nicht die ganze Abteilung mit Schreiben in den Heften oder nur auf der Tafel beschäftigt werden. ... Ferner fehlt von Lehrmittel ein Globus, eine Karte der Provinz Sachsen, ein Metermaß und ein Exemplar jedes eingeführten Schulbuches.”

    zweite Hälfte des 19. Jh.

    deutlicher Rückgang der Einwohner obwohl mehr Geburten als Sterbefälle

    1911

    die FFW Roitzschjora erhält eine Handdruckspritze

    1925

    erste Busverbindung von Bad Düben nach Delitzsch, Mitte der 30er Jahre arbeiten 61,3 % hauptberuflich in der Landwirtschaft

    1928

    finden sog. Reichsjugendwettkämpfe auf dem Löbnitzer Sportplatz statt mit Teilnehmern auch aus Roitzschjora

    1930

    Einweihung der neuen Schule in Roitzschjora

    1932

    Ziegelöfen vorhanden

    1938

    Buslinie Löbnitz- Wolfen

    1945

    318 Einwohner (Ende 1945 stieg die Einwohnerzahl auf 318 (von 300) durch Aufnahme von Heimatvertriebenen)

    1945

    4 Neubauern- Stellen in Roitzschjora

    1948

    Eröffnung einer Gemeindebibliothek

    1950

    Jetzt werden die Klassen 5 bis 8 in Löbnitz unterrichtet, die Klassen 1 bis 4 verbleiben vorerst in Roitzschjora.

    1952

    wird auch die 1 – 4 Klasse der Schule Roitzschjora nach Löbnitz  angeschlossen ; zwei Klassenzimmer befinden sich weiterhin in Roitzschjora und werden für den Unterricht genutzt

    1954

    am Morgen des 11.7. brach bei Roitzschjora der Muldedamm durch Hochwasser

    1958

    im Juli / August erfolgt die Gründung der LPG “Muldetal” Typ I mit 100 ha, der LPG “1. Mai” mit 60 ha sowie der LPG “Zufriedenheit” mit 120 ha Ackerfläche

    1972

    ist kein Schulunterricht mehr in Roitzschjora; am 28. Februar wird die neue 10 – Klassen – Schule in Löbnitz genutzt

    1973

    1.Sep. Roitzschjora wird nach Löbnitz eingemeindet

    1969/71

    Bau einer Wasserleitung

    1971

    Bau der Gaststätte

    1972

    Bau der Post und eines Gemeindebüros

    1977

    erhält Roitzschjora (mit Löbnitz) Straßennamen und jedes Haus neue H.- Nummern (Hauptstr. usw. fallen weg) Alte H.- Nummerierung begannen bei Voigt mit Nr.1 bis in Richtung Löbnitz Schlegemilch- Richter; alle Seitenstraßen einbegriffen, dann wieder in Richtung Tiefensee bei Küster Edidt beginnend bis zum Haus Volk endend; Peterson/ Gasch Nr. 63

    1035 Jahre
     Löbnitz
      981-2011