Die Löbnitzer Kirchenbücher berichten – Ertrunken in der Mulde!

Die Löbnitzer Kirchenbücher berichten – Ertrunken in der Mulde!

Die Mulde, als die älteste geografische Bezeichnung ist der Name der Mulde bekannt und wurde 836 erstmals urkundlich erwähnt. Sie wurde aber auch als Mulda, Mildau und Milda bezeichnet, was so viel wie „die Zerreibende, die Mahlende“ bedeutet.

Der Fluss hatte und hat viele Gesichter. Einmal ruhig dahin fließend, dann wieder brausend und Unheil bringend. So leben die Menschen an der Mulde seit jeher auch in Angst vor Hochwasser und damit verbundene Überschwemmungen. Schon 1312 gab es die „erste Kunde“ von einem Hochwasser. Im Wasser der Mulde fanden zu allen Zeiten Menschen den Tod.

Die Löbnitzer Kirchenbücher berichten darüber. Der erste Eintrag im Löbnitzer Sterberegister ist ab 1563 verzeichnet: „1563 Kilian Zschoch der Schenk in der Mildau ertrunken am 19. August.”

„Ein Knab, welcher gewesen Peter Rannenbergers Schwester Sohn, ist zu lobenitz in der Mildau ertrunken. Den Mittwoch nach Pfingsten Anno 69“.

„Melchor Schneider von lobenitz ist ein Sohn in der mildau ertrunken. Am Tag Jacobi (25. Juli) 1570.“

1575 „Benedic Wilhelm aus Reesen ging am Freitag nach Margaretha Tag in die Mildau bei presen (Brösa) und ist darin ertrunken und im Hopfwinkel gefunden worden und zu Löbnitz auf dem Kirchhoff begraben worden.“

1583 Der Schäfer von Biesen ist zu Löbnitz in der Mildau ertrunken.

1609 „Den 16 Augusti ist Orban Krautheupts seine tochter Anna, auch in Gott selig endschlaffen, in dem sie auch in der Mulde ertrunken, vnd nach dem sie den 19 Augusti auff den Abend wieder gefunden, worden, ist sie volgend auff den Sontag nach der Predigt, ehrlich mit einer großen menge volekes, zur erden bestattett. Gott verleihe ir, eine fröliche Aufferstehung am Jüngsten tage.“

„Johann Gottfried Lange, ein Mühlpursche, welcher, laut seiner bey ihm gefundenen Kundschaft (Nachricht),

d.d. (d.d. = mit Datum vom) Immediatstadt (Kron- oder Thronstadt) Breslow (Breslau) (in Schlesien) den 4ten Juny 1792. aus einem dorf bey Schmiedeberg in Sachsen gebürtig gewesen und wandernd hier vorbey gekommen, ist den 19ten July gegen Abend, in der Gegend des Schützhaußes, beym Baden, in der Mulde umgekommen, den 21 ten ej. aber auf einem Heeger, unter Hochreichsgräfl. v. Schoenfeldischer Gerichtsbarkeit, am Frauenwärder, angeschwommen gefunden, und von den Hochreichsgräfl. Gerichten, nach vorher mit des Herrn Ephori Hochwürden gepflogenen Communication (Besprechung) und geschehenem Einverständniße, noch den selbigen Abend, in dem Frauenwärder, 55 Schritt qver über vom Damme ab in einer dortigen Tiefe, zwischen Ellern- und Weidensträuchern, unter die Erde gebracht worden.“

Mein Vorfahr, Christoph Gärtner fand 1686 den Tod in der Mulde.

Darüber zu lesen: „Christoph Gärtner, Einwohner des Hernhöfischen Theils, fuhr Sonnabends war der 13. post. Trinitatis, war d. 28. Augusti. in der kleinen Aw beym Gurr! (Durchfahrt) durch die Mulda auf den Löbnitzer Heeger, Haber (Hafer) zu hohlen, den er auf seinem Stück erbauet hatte, weils aber damahls die Mulda in einer Stundt mehr alß eine Elle (Sächs. Elle 0,56 cm) gewachßen hatte, welches ihm vnd wißend gewesen, Erawete er sich wieder herüber zu fahren, allein alß das Waßer über Pferdt v. Ochsen gangen, v. er sich bemühete, das Vieh zu retten, ist er untergesunken vud hat jäm̄erlich ersauffen müssen. Sein Ochsen Zung ist durch hülffer des loßgeschnittenen Pferdt herüber kom̄en, die Ochsen hat der Fischer gerettet, vnd der Wagen, der das Waßer ümbgeworffen, ist Otags stückweiß herauß gebracht worden. Er ist zwar in seinem beruff gewesen, aber, qui amat piculum, pebit in illo (Er liebt die Gefahr, wird in ihr zugrunde gehen). War sonst ein from̄er vnd Christlicher Mann, hoffe dahero, Gott werde Ihn in seiner letzten Todtes Noth zu gnaden angenom̄en haben, ümb Christi Willen! Entlich ist sein Cörper am 4. Octobris an der Brücken zu Bitterfeldt funden, von seinen Kindern hirher gebracht v. am 5. 8br. mit einer Leichenprdigt ex (aus) Y (Psalm) 69 v. V.2. Gott helff mir denn das Waßer gehet mir biß an die Seele etc. vnd (und) Abdanckung zur Erden betattet worden. Seines alters 54. jahr“.” (m̄ , n̄ = Strich über dem Buchstaben ist die Verdoppelung des Buchstabens = mm nn)

1842: „Von dem königl. Gerichtsamte Gräfenheinichen wurde unter 17ten Mai 1842 an hiesiges Pfarramt berichtet, daß bey einer am 15. Mai curr (currentis = dieses Jahres Monats) erfolgten Besichtigung eines in der Mulde bey Bitterfeld gefundene männl. Leiche durch gerichtl. Vernehmung ein Zeuge aus Löbnitz sich ergeben habe und als erwiesen anzusehen sey, daß der seit d. 3ten Mai und auch von seiner Familie vermissten Bäckermeister Johann Christoph Oehlert (geb. 30.10.1802 laut Eintrag) in Löbnitz in der Mulde seinen Tod – den er wahrscheinlich gesuchten – gefunden haben – (dieser Mann hinterläßt seine Ehefrau u. 1 Sohn von 7 Jahren.) 42 Jahre alt.” (Mstr. Johann Christoph Oelert war Weißbäcker und Küchler, er heiratete 1833 Johanne Rosine Henriette Hartig. Ihr Vater war der Eigentumsschankwirt und Fleischermeister Gottlob Hartig. Die Familien Hartig waren über Jahrzehnte Gastwirte des Eichenast in Löbnitz, erst als Pächter und dann als Eigentümer. Etwa um 1830 wurden die Gasthäuser „Eichenast“ und „Goldner Stern“ an die Pächter verkauft.)

1846: „Am 24. August Friedrich Wilhelm Fiedler, Korbmacher Lehrling aus Delitzsch auf dem Hoftheil verunglückte beym Weidenschälen, und ertrank in der Mulde, da der Kahn mit Weiden beladen, umschlug oberhalb der Herrnhöfischen Ziegeley u. wurde Dienstags am Frauenweder – Heger gefunden. Hinterläßt eine Mutter.“

1848: „Am 7. Juli wurde in der Mulde bei Röitzsch (seit 21. September 1836 Roitzschjora) ein männlicher Leichnam gefunden, gerichtlich aufgehoben und den 8. an Ort und Stelle beerdigt. Allen Anzeichen und Merkmalen nach ist es Gottlob Grune lebt geboren aus Röitzsch der lange Zeit im Zuchthause gewesen und in letzter Zeit oft umherschweifend, seine Wohnung in Löbnitz hatte.“ (Grune geb. am 9.6.1818) (Johann Gottlob Schneider, Dienstknecht in der Stadtmühle Eilenburg aus Zschepe bei Wurzen wurde von der Mutter Johanne Rosine Grune aus Röitzsch als Vater angegeben.)

1853: „Am 27. Juli wurde unterhalb der Fähre in der Mulde todt aufgefunden der Müllerbursche Johann Gottlob Zeller aus Weidenhain, zuletzt beim Windmühlenbesitzer Heinze hierselbst. Er verunglückte am 24. des Monats. beim Baden unweit des Schützenhauses (in Roitzschjora). Er wurde am 30. ej. (ej.= ej(usden) = gleicher Monat) ausgeläutet, und nach dem er gerichtlich aufgehoben war, Abends 6 Uhr mit einer Abdankung begraben. 29 Jahre 7 Monate.“

Die letzte große Katastrophe war im Jahr 1899. Turner aus Löbnitz und Besucher des Festes nutzten die Muldefähre, um zum Turnerfest nach Rösa zu fahren. Die Mulde führte Hochwasser. Auf der Rückfahrt passierte dann das Unglück, 11 Personen ertranken in den Fluten, darunter auch der Fährmann und sein Schwiegersohn. Die Turner waren: Hermann Bierbrauer, Richard Günther, Gustav Geißler, Richard Böser und Paul Trappiel. Die Mitreisenden waren: Henrietta Alma Kleine, ihr Sohn Karl Ernst aus Roitzschjora, Anna Hartig aus Löbnitz und Wilhelm Walter Tischer aus Rösa. Retten konnten sich: Anna Jentzsch und Paul Bierbrauer, er war das 18. Kind von Carl Ferdinand und der erste Sohn. Der Fährmann Mörtzschken sein Schwiegersohn Böhme sind bis heute 5.8.99 noch nicht gefunden, sie gehören beide nach Rösa. Am 10. August 1902 schreibt der Pfarrer: “Der Schwiegersohn wurde noch gefunden der Fährmann nicht.“

S. Wohlschläger

Quelle: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen E. Eichler und H. Walther; Archiv Heimatgeschichte H.D.Bock, Kirchenbücher der Ev. Kirche Löbnitz

Ansprechpartner

Sekretariat

Gemeinde Löbnitz

Telefon: +49 (0) 34208 789-0
Email: post.loebnitz@kin-sachsen.de

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