Roitzschjora

Stand September 2020 – 247 Einwohner

Ersterwähnung:

Namensgebung:

Der Ortsname “Roitzschjora” kommt in Sachsen nur ein Mal vor.

1466Roytzsch (wüste Mark)
1599Roitzsch und Jora (große Sorge und kleine Sorge)
1750Roitzsch und Jora
1791Roitzsch oder Sorge
1792,1884Röitzsch
1817Jora, auch Kleine Sorge
1822Roitzsch
1892Roitzschjora

Auszug aus dem Buch “Leben zwischen Kabine, Bockshain und Weinberg”:

Wegen der spät einsetzenden urkundlichen Überlieferung ist die Grundform unsicher, zumal es sich ursprünglich um zwei Orte handelte.

  1. Roitzsch liegt wahrscheinlich dem slaw. PN “Rogac” zu “rog” – Horn, Landzunge zugrunde also “Siedlund eines Rogac”. Der Ort war zeitweilig wüst und wurde wohl deshalb auch Große Sorge (1822) genannt.
  2. Ganz in der Nähe entstand viel später eine Ausbausiedlung, die Kleine Sorge. Sie ist identisch mit Jora. denkbar ist ”Goor” zum germ. Gora – Morast od. oben, höher gelegen, Berg. Daraus ergäbe sich “Siedlung auf Sumpfland”

Im Volksmund ist überliefet, dass durch das Hochwasser der Mulde oft Ackerland überschwemmt wurde und die Bewohner des Ortes bei Hochwasser Große Sorgen hatten.

So ist die Bezeichnung Sorge für die Orte Roitzsch und Jora sicher auch denkbar.

Geschichte

4000-2000 v.u.Z.Feuersteinbeile
1700 – 700 v.u.Z.erste Besiedlungen im Gebiet unseres Ortes (durch Funde und Grabbeilagen belegt)
200 – 1700 v.u.Z.Eisen- und Bronzefund
1200 – 1000 v.u.Z.Topf
1000 – 800 v.u.Z.Lausitzer Kulturperiode
400 – 200v.u.Z.Frühlatene Zeit (nach Latene, einem Fundort in der Schweiz, benannter jüngerer Abschnitt der Eiszeit) ebenfalls mit Grabfunden
700 bis in unsere ZeitrechnungLatene Zeit Schmuck- und Waffenfunde
10. Jh.es beginnt nach der Völkerwanderung die erneute Besiedlung in unserem Gebiet
1349/50Rodeschwicz
1466Roitzsch wird in einem Schriftstück als “wüste Marken” bezeichnet und gleichzeitig wird der Wald bei Roitzsch erwähnt; zur Löbnitzer Kirchengemeinde gehörten die Einwohner von Roitzsch und Jora (12. Jahrhundert – Erwähnung einer Backsteinbasilika in Löbnitz)
Ende des 15. Jh. bis Anfang des 16. Jh.von den Einwohnern in Roitsch und Jora gesprochen, damals bereits als kleine und große Sorge benannt
1560es wird erwähnt, dass von 13 gestorbenen Personen aus Löbnitz, Roitsch und Jora 12 Kinder unter 10 Jahren sind
1595ein großer Brand auf der vorderen Sorge zerstört zehn Bauernhöfe und damit fast das ganze Dorf (drei Wittenberger; 1 Brandstifter überlebte die Folter nicht und wurde unter dem Löbnitzer Galgen verscharrt, 2 wurden am 27. Februar 1596 verbrannt) die Löbnitzer hatten eine eigene Gerichtsbarkeit
1599stirbt Hans von Schönfeldt und das Erbe wird unter sieben Söhnen aufgeteilt, Sohn Hans erhält den Löbnitzer Hofteil mit Jora und Sohn Chrstoph erhält den Löbnitzer Schloßteil und Roitzsch
ab dem 16. Jh.gab es eine Ziegelscheune auf der Sorge, welche Steine für den eigenen Bedarf herstellt (aber sicherlich auch für den Verkauf)
1632verheerende Pestperiode von Mai bis Dezember; in Löbnitz, Roitzsch und Jora starben 285 Menschen, das sind ¼ aller Einwohner
1637schreibt Hans von Schönfeldt: “elf Halbhüfner von der Sorge von denen acht ausspannen könnten” (Hüfner ehemaliges Durchschnittsmaß für bäuerlichen Grundbesitz)
1637 – 1642die große Sorge wird vom kaiserlichen Regiment gänzlich zerstört
1642lagen beide Sorgen gänzlich wüst
1661noch steht geschrieben: “unbewohnt, die Felder unbebaut, sogar mit dichtem Gehölz ist alles bewachsen”
1706es werden alle Einwohner von Roitzsch im Steuerregister als Neuanbauer bezeichnet (8 Einwohner – Familien mussten keine Steuern zahlen, da sie noch keine sechs Jahre hier ansässig waren)
1750Haushalte in Roitzsch 31 und Haushalte in Jora 18
1770gab es in Roitzsch zwölf Bauern mit je einer Drittelhufe (ca.. 2,7 ha) neunzehn Einwohner werden als Häusler bezeichnet, nur sechs von ihnen besaßen ein Stück schlechtes Feld
1822Postortverzeichnis erwähnt Roitzsch und Große Sorge
1830gibt es 72 Haushalte Roitzsch und Jora, davon waren 49 Landlose oder unter 2 ha Feld
1836erstmals für Roitzsch und Jora ein gemeinsamer Gemeinderat
1843Bockwindmühle in Roitzschjora erhält ihren heutigen Standort
1846die Ernte war so schlecht, dass im Mai 1847 die Gemeinde Getreide kaufen musste um die Einwohner zu versorgen; Abtrennung der Schule von Roitzsch von Löbnitz
1855musste ärmeren Gemeindemitgliedern von Roitzsch eine Ablösung gewährt werden
18654 Silbergroschen Schulgeld monatlich für jedes Kind
186749 Haushalte (von 72) mit unter 2 ha Landwirtschaftliche Fläche
1875Ausstattung einer Schulstube in Roitzschjora ein Bericht sagt folgendes: “ Ferner hat die Schule keine Schulbänke, sondern nur 2 Tische mit je freistehenden Bänken ohne Lehne, auf welchen die Schüler so dicht gedrängt sitzen, dass gleichzeitig nicht die ganze Abteilung mit Schreiben in den Heften oder nur auf der Tafel beschäftigt werden. … Ferner fehlt von Lehrmittel ein Globus, eine Karte der Provinz Sachsen, ein Metermaß und ein Exemplar jedes eingeführten Schulbuches.”
zweite Hälfte des 19. Jh.deutlicher Rückgang der Einwohner obwohl mehr Geburten als Sterbefälle
1911 die FFW Roitzschjora erhält eine Handdruckspritze
1925 erste Busverbindung von Bad Düben nach Delitzsch, Mitte der 30er Jahre arbeiten 61,3 % hauptberuflich in der Landwirtschaft
1928 finden sog. Reichsjugendwettkämpfe auf dem Löbnitzer Sportplatz statt mit Teilnehmern auch aus Roitzschjora
1930Einweihung der neuen Schule in Roitzschjora 
1932Ziegelöfen vorhanden
1938Buslinie Löbnitz- Wolfen
1945 318 Einwohner (Ende 1945 stieg die Einwohnerzahl auf 318 (von 300) durch Aufnahme von Heimatvertriebenen)
19454 Neubauern- Stellen in Roitzschjora
1948Eröffnung einer Gemeindebibliothek
1950 Jetzt werden die Klassen 5 bis 8 in Löbnitz unterrichtet, die Klassen 1 bis 4 verbleiben vorerst in Roitzschjora.
1952wird auch die 1 – 4 Klasse der Schule Roitzschjora nach Löbnitz  angeschlossen ; zwei Klassenzimmer befinden sich weiterhin in Roitzschjora und werden für den Unterricht genutzt
1954am Morgen des 11.7. brach bei Roitzschjora der Muldedamm durch Hochwasser
1958im Juli / August erfolgt die Gründung der LPG “Muldetal” Typ I mit 100 ha, der LPG “1. Mai” mit 60 ha sowie der LPG “Zufriedenheit” mit 120 ha Ackerfläche
1972ist kein Schulunterricht mehr in Roitzschjora; am 28. Februar wird die neue 10 – Klassen – Schule in Löbnitz genutzt
19731.Sep. Roitzschjora wird nach Löbnitz eingemeindet 
1969/71 Bau einer Wasserleitung
1971Bau der Gaststätte
1972Bau der Post und eines Gemeindebüros
1977erhält Roitzschjora (mit Löbnitz) Straßennamen und jedes Haus neue H.- Nummern (Hauptstr. usw. fallen weg) Alte H.- Nummerierung begannen bei Voigt mit Nr.1 bis in Richtung Löbnitz Schlegemilch- Richter; alle Seitenstraßen einbegriffen, dann wieder in Richtung Tiefensee bei Küster, Edith beginnend bis zum Haus Volk endend; Peterson/ Gasch Nr. 63

Ansprechpartner

Sekretariat

Gemeinde Löbnitz

Telefon: +49 (0) 34208 789-0
Email: post.loebnitz@kin-sachsen.de

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